Eine Haltung, keine Fußnote.
Warum wir das tun.
Veedelskino gibt es, weil Kino für uns kein Ort ist, sondern ein Moment, den man teilt. Wir bringen Filme dorthin, wo Menschen ohnehin schon sind, in ihre Höfe, auf ihre Spielplätze, in ihre Nachbarschaften, statt darauf zu warten, dass sie den Weg zu uns finden. Kein Programm für ein imaginäres Publikum, sondern eines, das mit den Menschen vor Ort entsteht.
Wir verstehen uns dabei nicht als Konkurrenz zu den bestehenden Kinos in Köln, im Gegenteil. Veedelskino holt Menschen zunächst nur aus der eigenen Wohnung, direkt vor die eigene Haustür, und zeigt ihnen dort Filme, die sie sich sonst vermutlich nie angesehen hätten. Wer so den Weg zurück zum gemeinsamen Filmerlebnis findet, findet oft auch leichter den Weg ins nächste Kino.
Das ist kein Bauchgefühl, sondern eine Lesart aktueller Studien und Umfragen dazu, wie sich neues Publikum fürs Kino gewinnen lässt. Und es ist der genau entgegengesetzte Weg zu größeren Leinwänden, besserem Sound, immer bequemeren Sesseln und künstlich erzeugter Atmosphäre. Wir setzen nicht auf mehr Ausstattung, sondern auf mehr Nähe.
Dahinter steckt eine einfache Überzeugung. Ein Abend, an dem eine Nachbarschaft gemeinsam einen Film sieht, verändert etwas, das länger bleibt als das Gesehene selbst. Man kennt danach die Gesichter auf der Decke nebenan, man weiß, wo der nächste Sommerabend stattfindet. Genau das ist unsere Definition von Kinokultur, nicht die Zahl der Vorstellungen, sondern die Bindung, die dabei entsteht.
Unser nächstes Ziel
Der öffentliche Raum.
Veedelskino ist bislang auf Höfen, Gemeinschaftsflächen und an Nachbarschaftsorten unterwegs. Ein Ort fehlt uns noch, der eigentlich perfekt zum Format passen würde, der öffentliche Raum selbst, die Parks und Plätze, die wirklich allen gehören. Genau dorthin wollen wir mit Veedelskino als nächstes.
Aktuell sind Genehmigungen für Filmabende auf öffentlichen Grünflächen in Köln bis 22 Uhr befristet. In den Sommermonaten wird es erst gegen 21 Uhr dunkel genug für eine Leinwand, ein Spielfilm braucht in der Regel anderthalb Stunden oder mehr. Wir sehen darin keinen Widerspruch zur Stadtordnung, sondern eine Zeitfrage, die sich lösen lässt, gerade weil unser Format schon von sich aus rücksichtsvoll ist. Das gesamte Setup ist mobil und autark, ein eigenständiges Soundsystem statt einer festen Anlage, keine Verstärkung über das nötige Maß hinaus, kein Aufbau, der über den Abend hinaus bestehen bleibt. Lärmschutz und Nachtruhe sind im Format selbst angelegt.
Was uns antreibt, ist die Vorstellung, was daraus werden kann. Wo Menschen sich draußen zu einem gemeinsamen Abend versammeln, entsteht eine neue Bindung an den Ort und ein Stück Verantwortungsgefühl für das eigene Veedel, genau das, was sich viele Städte gerade wünschen. In Wien zeigt das Volxkino seit über 35 Jahren, wie gut das gehen kann, dort ist mobiles Open Air Kino im öffentlichen Raum längst Teil der städtischen Kulturförderung. Ein Vorbild, dem wir uns in Köln gerne annähern würden.
Eine politische Einordnung
Das ist auch eine politische Frage, wenn auch keine Parteifrage. Wo Bürgerinnen und Bürger öffentlichen Raum, Parks und Plätze, selbst für Kultur nutzen dürfen, wächst erfahrungsgemäß auch ihr Verantwortungsgefühl für die eigene Stadt. Wer sich draußen zu einem gemeinsamen Abend versammelt, übernimmt für diesen Moment ein Stück Mitverantwortung für den Ort, und das wirkt oft über den Abend hinaus. Genau deshalb lohnt sich ein leichterer Zugang zum öffentlichen Raum nicht nur für Formate wie unseres, sondern für das Verhältnis zwischen Stadt und Bürgerschaft insgesamt.
Bis dahin spielen wir mit Überzeugung dort, wo wir schon willkommen sind, und freuen uns auf den Tag, an dem der öffentliche Raum ganz selbstverständlich dazugehört.